Typische Percussion-Instrumente der afrokubanischen Stilistiken wurden bereits vorgestellt. Im Folgenden sind einige traditionelle Trommeln beschrieben, die zu den wichtigen Bausteinen der brasilianischen Musik zählen.
Surdo:
Großvolumige Basstrommel (20" bis 26") mit meist
dünnwandigem metallenen Resonanzkörper. Surdos werden in melodiösen
Tonalitäten aufeinander abgestimmt und bildeten in der Musik das Bassfundament
mit mächtigen und weit tragenden Deep-Sounds. Charakteristisch ist
die Kombination aus gedämpften Schlägen (M Muffled) und offen
klingenden Fellsounds (0 = Open Tones).
Caixa: Brasilianische Variante der Snaredrum (Umhängetrommel).
Repinique: Metallkessel-Trommeln mit knallhart gespannten Fellen (meist 10"> 12'). Repiniques klingen beißend hell und übernehmen innerhalb des rhythmischen Gefüges Callfunktionen (Einleitung, Überleitung) sowie markant klingende Begleitrhythmen in der Kombination aus hellen Fell-Sounds und schneidenden Rimshot-Klängen.
Timba: Dies ist eine leicht gebaute, einfellige Trommel (Umhänge -und Walking/Outdoor-Drum) in enger Verwandtschaft zur Conga. Auf ihr werden Schlagtechniken mit den Händen gespielt> die mit Impulsgestaltungen wie Open Tones (0)> Slaps (5) oder Muffled Strokes (M) rhythmische Begleit-Pattern formen (selten solieren).
Rhythmische Analyse
Um das typisch melodiöse Fundament der Basstrommeln
(Surdos) deutlich zu gestalten, bedient man sich mehrerer Surdos, die nach
Individualität in gestimmten Intervallen (oft Sekunde, Terz und/oder
Quart) aufeinander abgestimmt sind. Zusätzlich greift die rhythmische
Verzahnung, wobei die Kombination aus Muffled- und Open-Tone-Sounds deutliche
Akzente setzt.
Das Notenbeispiel zeigt drei Surdos in den Klangabstufungen
Low, Mid und High. Im wirklichen Leben spielt man draußen im Freien,
und da gilt es, möglichst große Lautstärken zu erzielen.
Also werden die einzelnen Instrumente und Stimmen mehrfach belegt, und
so gibt es dann nicht nur einen Surdo-Low-Spieler, sondern gleich vier,
fünf, sodass alleine die Surdo-Fraktion durchaus mit 15 Spielern besetzt
sein kann.
Dasselbe gilt für alle anderen Instrumente wie Caixas
(Snaredrums), Repiniques, Tambourims usw., und eine zig-köpfige Percussion-Section
sorgt dann für richtig viel Alarm. Zieht man einmal nur die rhythmische
Essenz des Surdo-Patterns heran, so lässt sich durchaus der Charakter
einer typischen Reggae-Basslinie erkennen. Im zweiten Takt der Mid-Surdo-Phrase
taucht ebenso ein immer wiederkehrendes, auftaktiges Element in Form eines
Sechzehntel-Open-Tone-Patterns auf, das wiederum als stilistisches Element
der Merengue-Musik definierbar ist.
So findet man alleine schon im Surdo-Arrangement die
Vermischungen unterschiedlicher Styles und Einflüsse, die das Leben,Land
und Leute der afrobrasilianischen Kultur widerspiegeln.
Die Repinique zeigt eine eher statische Linie, die mit der typischen Reggae-Gitarren-Rhythmik zu vergleichen ist. Das Sechzehntel-Pattern besteht aus Ghost-Notes (ganz leise und unbetonte Impulse) und stark akzentuierten Rimshot-Sounds (gleichzeitiges Schlagen von Fell und Metall-Spannreifen) im rhythmischen Offf-Beat-Arangement. Je nach Interpretation (das ist bei den Brasilianern an der Tagesordnung) werden die betonten Impulse sehr relaxed aufgefasst, d.h. sie können durchaus weit "hinten" im Beat liegen.
Mit der Snaredrum wird eine enge Strukturverbindung zur Repinique geschaffen. Auch hier dominiert das Off-Beat-Prinzip, wobei die rhymmische Markanz in der Darstellung der Bossa-Clave liegt. Die nicht betonten Impulse können durchaus mit Ghost-Note-Sounds belegt werden. Eine stark verknüpfende Wirkung erzielt aber auch der Sound der Timba. Die im Mitten-bereich agierende, conga-ähnliche Handtrommel bietet ein feuriges Thema aus eng gesetzten Slaps und Open-Tones, was gerade in der Verbindung mit mehreren Timba-Spielern richtig abgehen kann. Aber auch hier stellt das relaxed aufzufassende Feeling die brasilianisch unikate Fusion aus laid-back und nach vorne gerichteter Power dar.
Graphische Darstellung
Auf der Basis eines Sechzehntelrasters zeigt die Darstellung die Haupt-Events (wichtigste Klangereignisse in Position) der Percuission-Section. Die reinen und nicht manipulierten Sounds der Instrumente sind durch einen Punkt gekennzeichnet (hier: scharfer Sound der Repinique-lmpulse und Snaredrum-Akzente). Alle anderen Symbole folgen der Klangformung. So steht das Kürzel »5" für Slap (scharfer Akzent-klang), ,,M" bedeutet ,,muffled Stroke'> (abgedämpfter Fellklang) und »0" entspricht dem Open Tone, also dem Sound einer frei schwingenden Membran nach kurzem Schlagimpuls.