Geschichte                           keyboards 3/1  Auch Brasilien ist ein Land ausgeprägt starker Musiktraditionen, dessen Kultur über eine Vielfalt exotischer Klänge und Rhythmen verfügt, sodass es Europäern nur so in den Ohren zuckt, wenn sie die fantastischen Sounds erleben. In Brasilien existiert eine multikulturelle Gesellschaft. Und wer heute meint, dies funktioniere nicht, der kann sich ja mal ein Beispiel an dieser Blüte aus Menschen europäischer, afrikanischer und indianischer Abstammung nehmen.Die Geschichte des Landes zeigt aber auch, dass die Sklaverei zu den traurigen Kapiteln zählt, Ereignisse wie sie sich etwa zeitgleich im karibischen Raum um etwa 1500 zugetragen haben. Afrikanische Sklaven wurden durch die portugiesische Kolonialherrschaft auf den südamerikanischen Kontinent verschleppt. Die Konfrontation des Katholischen mit  der afrikanischen Naturreligion, ihren vielen Göttern, Zeremonien, Trommeln und Rhythmen führte zu einem starken Kontrast. Aus den Polaritäten der vielschichtigen Lebensformen ging eine Multikultur hervor, in der man lernte, das Andere zu akzeptieren und Unterschiedliches im gleichberechtigten Nebeneinander zu gewähren. So lebt Brasilien bis heute mit diesem afrikanischen Erbe, und man ist sicherlich dankbar dafür, dass dieser Input zu einem so reichhaltigen Fundus auch an musikalischen Qualitäten geführt hat.
Wer an Brasilien denkt, der knüpft seine Vorstellung gerne an den Begriff Samba, was sicherlich auch richtig ist. Falsch aber ist, Samba auf eine volksfestartige Dauerfete mit knallender Trommelpower, wackelnden Popos und freizügig tanzenden Mädels in bunten Flitterkostümen zu reduzieren. Samba ist sicherlich ein Teil dessen, aber weitaus mehr und definiert neben emotional geprägten und stilistisch weit verzweigten musikalischen Facetten auch einen Lebensstil und ein Lebensgefühl. Somit bezeichnet Samba gleichermaßen eine powervolle Batucada-Musik wie auch das schüchtern-erotische Strandleben, Samba ist das Gegenüber von Favelas (Slums) und Glaspalästen - von arm und reich. Samba heißt aber auch, mit diesen Gegensätzlichkeiten zu leben und öfter mal das Genießerische in den Vordergrund zu stellen, vielleicht ein Gläschen Caipirinha zu trinken und dabei die Sorgen beiseite zu schieben.

In Brasilien begegnet man zwei großen und elementaren Samba-Stilistiken, der Samba Batucada (Straßen-Karneval-Feten-Power), einer Musik die eher in den großen Metropolen wie Sao Paub oder Rio de Janeiro zu Hause ist und dem Samba Reggae.
Diese Stilistik wiederum blüht geradezu im Norden des Landes, und dazu bedarf es eines Abstechers nach Bahia (Hauptstadt Salvador), ein Teil Brasiliens, in dem die afrikanischen Wurzeln nicht lebendiger sein können. Die Frage ist nur, warum gerade Reggae einen so großen Einfluss auf die Samba-Musik ausgeübt hat. Der brasilianische Perkussionist und Musikexperte Dudu Tucci meint dazu folgendes: ,,Bob Marley gilt vielen Afrobrasilianern als Prophet, der sich für die Menschenrechte einsetzte. Seine schwarze Reggae-Musik findet eine Parallele zur Capoeira-Musik, die in gleicher Weise sehr laid back aufgefasst wird. Auch Gilberto Gil bewunderte den schwarzen Superstar Marley und hat dazu beigetragen, den Weg für Reggae-Musik in Brasilien zu ebnen. Gegen Ende der siebziger Jahre fing man an, die Reggae-Sounds und Grooves auf Samba-Instrumente zu übertragen.
So findet man heute typische Bassläufe auf den Surdos wieder, teils auch im Merengue-Style. Repiniques hingegen verkörpern eher den Ska-Gehalt des Reggae. Auf diese Weise entwickelte sich die Samba-Reggae-Symbiose.
Und dann kam Jimmy Cliff, der sich für diese Musik begeisterte und mithalf, sie populär zu machen. Marley ist also der große Prophet, Gil der Katalysator und Jimmy Cliff der Supporter. Die Laid-Back-Eigenschaft des Reggae und des Samba-Reggae repräsentiert das genießerische Feel in Leben und Landschaft"