aus Keyboards 3/1   Latin Styles 11  Georg Corman/ Tom Schäfer

                                               Samba -Reggae
 

Brasilien erlebte in den letzten 500 Jahren ein ähnliches Schicksal wie die karibischen Staaten. Europäer besetzten das Land und holten sich Afrikaner als Sklaven.
Trotzdem gibt es zwei wichtige Unterschiede:
            1. Die europäischen Kolonialherren waren Portugiesen.
            2. Die Ureinwohner wurden - ebenso wie der Urwald - nicht vollständig
                ausgerottet.
Beides findet seinen Niederschlag deutlich in der Musik.
               1. Die gesungene Sprache ist portugiesisch und klingt damit nicht so
                   hart wie das Spanische.
               2. Es gibt eine Fülle von leisen, hölzernen Perkussionsinstrumenten
                  indianischer Herkunft. Darunter auch den wie ein ,>Flitzebogen"
                  geformten Berimbao.
Brasilianische Musik gibt es in tausendfachen Variationen: Choro, Samba Cancao, Samba Batucada, Bossa Nova, Partido Alto, Bajon, Maxixe - um nur einige wenige zu nennen. Allen Stilen gemeinsam sind ähnlich rhythmische Patterns. Die Spielart ist jedoch sehr unterschiedlich. Während der Bossa Nova sanft, langsam und cool gespielt wird, geht es in den Escolas de Samba (Sambaschulen) beim Straßenkarneval in Rio mit bis zu 350 Perkussionisten ganz anders zur Sache.

Beispiel 1
-im Osten Brasiliens ist der Einfluss der westafrikanischen Rhythmen fast ebenso stark wie auf Kuba. Trotzdem ist der rhythmische  Aufbau durchaus unterschiedlich. Es gibt keinen Backbeat, dh. Betonung der ,,2" und ",4") wie er in kubanischer Musik üblich ist. Stattdessen ist in der Basslinie die »3" stark betont. Ein Achtelpuls läuft die ganze Zeit in der kleinen Perkussion. Auf einer Akzentebene wird der Rhythmus mit Betonungen versehen.
     
Beispiel 2
- die linke Hand spielt den Basisrhythmus. Als Vorbild dient  der Rhythmus der Surdo (Basstrommel). Artikulation und Dynamik sind extrem wichtig. Ein auf "1" betonter Bass ist für diese Musik der totale Groovekiller. In der rechten Hand liegen die Akze. Hier laufen  sie parallel zur Bossa-Nova-Clave, die rundetr läuft als die kubanische Clave und auch nicht ein so strenges Regiment führt. Die Akzente können durchaus variieren.
      
Beispiel 3
- bringt ein Pattern, das aus einer Glockenfigur abgeleitet wurde. Da das Piano nicht gerade dazu geschaffen wurde, kaum hörbare  Zwischentöne (sogenannte ghost notes) zu spielen, muß man den Achtelpuls innerlich (gleichsam als ,mentale ghost notes`) durchlaufen lassen.
    
 Beispiel 4
- zeigt eine moderne, bewegliche Bassllinie,deren Rhythmus sich an der kleinen Perkussion orientiert.

5 - im Nordosten gibt es den Bajon, dessen Basslinien stark an den karibischen Tresillo erinnern.
   

Brasilianische Perkussion beeinflusste schon zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts europäische Komponisten wie z. B. Darius Milhaud.
Immer wieder ging diese Musik Fusionen mit anderen Stilen ein: mit klassischer europäischer Musik durch Heitor Villa-Lobos, mit dem cool Jazz von Stan Getz durch Tom Jobim, mit Rock Jazz bei Miles Davies und Weather Report durch Airto Moreira.