Samba -Reggae
Brasilien erlebte in den letzten 500 Jahren ein ähnliches
Schicksal wie die karibischen Staaten. Europäer besetzten das Land
und holten sich Afrikaner als Sklaven.
Trotzdem gibt es zwei wichtige Unterschiede:
1. Die europäischen Kolonialherren waren Portugiesen.
2. Die Ureinwohner wurden - ebenso wie der Urwald - nicht vollständig
ausgerottet.
Beides findet seinen Niederschlag deutlich in der Musik.
1. Die gesungene Sprache ist portugiesisch und klingt damit nicht so
hart wie das Spanische.
2. Es gibt eine Fülle von leisen, hölzernen Perkussionsinstrumenten
indianischer Herkunft. Darunter auch den wie ein ,>Flitzebogen"
geformten Berimbao.
Brasilianische Musik gibt es in tausendfachen Variationen:
Choro, Samba Cancao, Samba Batucada, Bossa Nova, Partido Alto, Bajon, Maxixe
- um nur einige wenige zu nennen. Allen Stilen gemeinsam sind ähnlich
rhythmische Patterns. Die Spielart ist jedoch sehr unterschiedlich. Während
der Bossa Nova sanft, langsam und cool gespielt wird, geht es in den Escolas
de Samba (Sambaschulen) beim Straßenkarneval in Rio mit bis zu 350
Perkussionisten ganz anders zur Sache.
Beispiel 1
-im Osten Brasiliens ist der Einfluss der westafrikanischen
Rhythmen fast ebenso stark wie auf Kuba. Trotzdem ist der rhythmische
Aufbau durchaus unterschiedlich. Es gibt keinen Backbeat, dh. Betonung
der ,,2" und ",4") wie er in kubanischer Musik üblich ist. Stattdessen
ist in der Basslinie die »3" stark betont. Ein Achtelpuls läuft
die ganze Zeit in der kleinen Perkussion. Auf einer Akzentebene wird der
Rhythmus mit Betonungen versehen.
Beispiel 2
- die linke Hand spielt den Basisrhythmus. Als Vorbild
dient der Rhythmus der Surdo (Basstrommel). Artikulation und Dynamik
sind extrem wichtig. Ein auf "1" betonter Bass ist für diese Musik
der totale Groovekiller. In der rechten Hand liegen die Akze. Hier laufen
sie parallel zur Bossa-Nova-Clave, die rundetr läuft als die kubanische
Clave und auch nicht ein so strenges Regiment führt. Die Akzente können
durchaus variieren.
Beispiel 3
- bringt ein Pattern, das aus einer Glockenfigur abgeleitet
wurde. Da das Piano nicht gerade dazu geschaffen wurde, kaum hörbare
Zwischentöne (sogenannte ghost notes) zu spielen, muß man den
Achtelpuls innerlich (gleichsam als ,mentale ghost notes`) durchlaufen
lassen.
Beispiel 4
- zeigt eine moderne, bewegliche Bassllinie,deren Rhythmus
sich an der kleinen Perkussion orientiert.
5 - im Nordosten gibt es den Bajon, dessen Basslinien
stark an den karibischen Tresillo erinnern.
Brasilianische Perkussion beeinflusste schon zu Anfang
des zwanzigsten Jahrhunderts europäische Komponisten wie z. B. Darius
Milhaud.
Immer wieder ging diese Musik Fusionen mit anderen Stilen
ein: mit klassischer europäischer Musik durch Heitor Villa-Lobos,
mit dem cool Jazz von Stan Getz durch Tom Jobim, mit Rock Jazz bei Miles
Davies und Weather Report durch Airto Moreira.