Kommentar: gut für Jugendliche, einsichtiger Lebenslauf
immer noch zu viele Fremdworte und Fachbegriffe
Stammbaum Kindheit
Ausbildung Organist
in Arnstadt Organist
in Mühlhausen
am Hof in Weimar am Hof in
Köthen Thomaskantor
in Leipzig
Jener bekannt Aphorismus Ludwig van Beethovens, Bach hätte eigentlich
Meer heißen müssen, hat sicher nicht nur wegen der angesprochenen
Fülle an musikalischen Ideen seine sachliche Berechtigung.
Die Musikalität der "Bache", jener Thüringer Familie, die
sich auf den um 1520 geborenen Bäckermeister Hans Bach zurückführte,
ist in der Geschichte wohl ohne Beispiel. Von 1580 bis 1845 (Tod des Enkels
Johann Sebastian Bachs, Wilhelm Friedrich Ernst) lassen sich nicht weniger
als dreizehn bedeutende Musiker auf der Stammtafel der Familie Bach nachweisen
. Die "Bache" waren sehr familienverbunden. Typisch war die Sitte der "Familientage",
die mit sehr vielen Improvisationen und heiteren
Quodlibets
abgehalten wurden.
Als sechstes Kind der Eisenacher Stadtmusikus Johann Ambrosius und
seiner Frau Elisabeth kommt Johann Sebastian am 21. März 1685
zur Welt. Von 1693 bis 1695 besucht er die Lateinschule seiner Heimatstadt
Eisenach, dieselbe Schule, in die schon der junge
Luther gegangen war. Im Schulchor fällt die hervorragende Stimme
des kleinen Musikersohnes auf.
Zwischen dem Mai 1694 und dem Januar 1695 verliert der Neunjährige
innerhalb eines dreiviertel Jahres zuerst die Mutter und dann den Vater.
Zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Johann Jakob muss
er nach Ohrdruf bei Eisenach übersiedeln, wo sein 14 Jahre
älterer Bruder Johann Christoph Bach die Organistenstelle innehat.
Bei Johann Christoph, einem Schüler des großen Nürnberger
Orgelmeisters Johann Pachelbel, erhält
der Heranwachsende eine gründliche Ausbildung am Klavier. Im Ohrdrufer
Gymnasium wird er im Sinne eines strengen Protestantismus
lutherischer Prägung umfassend ausgebildet. Hier erhält er auch
seine ersten fundierten theologischen Kenntnisse, ohne deren Voraussetzung
etwa die Zusammenstellung von Schriftwort und Kirchenlied in seinen späteren
Kantaten
und Passionen, vor allem aber in seinen Motetten,
nicht zu verstehen ist. Die Kantoren des Ortes erweitern den musikalischen
Bildungshorizont ihres Schülers durch Orgel-, Violin- und Bratschenunterricht
sowie durch Musiktheorie und Kompositionslehre.
Als 15-Jähriger bekommt der Vollwaise einen Freiplatz an der Lüneburger
Michaelisschule; er singt im "Mettenchor"
mit und verdient sich Geld als "Diskantist".
Nach dem Stimmbruch wird er als Geiger, Organist und Cembalist
beschäftigt
und leitet sogar eine Zeitlang den Schulchor.
Zahlreiche Anregungen erhält der junge Musiker durch den
Kontakt mit den ortsansässigen Organisten
. Studienreisen führen nach Hamburg, wo zwei Großmeister
der norddeutschen Orgelschule, wirken und ins benachbarte Celle, wo französische
und italienische Musik gepflegt wird. In die Lüneburger Zeit fallen
auch die ersten (verschollenen) Kompositionen für Orgel und Klavier.
Mit 17 Jahren muss Bach die Michaelisschule in Lüneburg verlassen
und es gilt eine berufliche Entscheidung zu treffen. Allerdings gibt
es für Bach wenig Alternativen. Als Waise kann er sich ein Studium
an der Universität, wie es nach der Auffassung seines Onkels Johann
Christoph angebracht gewesen wäre, nicht leisten. Woher sollte er
auch Geld für das Studium nehmen? Andererseits brennt er nach den
Erfahrungen seines bisherigen Lebens darauf Musiker zu werden. Von seinen
Fähigkeiten her ist er selbstbewusst genug, in das Berufsleben einzutreten.
Bach wünscht sich eine Stellung, die ihm neben den beruflichen Verpflichtungen
so viel Zeit lässt, sich musikalisch immer weiter zu vollkommnen.
Eben dieser Wunsch wird ihm, beispilesweise in Arnstadt, freilich noch
einigen Ärger einbringen.
1703
findet er für vier Monate eine erste Anstellung als Geiger und Bratscher
im Kammerorchester des Bruders des Fürsten von Weimar. Auch in Weimar
wird italienische Orgelmusik gepflegt.
Ein Gutachten über die neuerbaute Bonifaziusorgel in Arnstadt,
verbunden mit einem öffentlichen Konzert, führt 1703 zur
Verpflichtung als Organist und Leiter des Schul- und Kirchenchoresi. Von
1704 bis 1707 entstehen in Arnstadt die ersten Kantaten, zwei Capriccios
für Cembalo und - unter dem Einfluss Dietrich Buxtehudes - die erste
größere Sammlung von Orgelmusik. Dietrich
Buxtehude , den alten Lübecker hat Johann Sebastian Bach
auf einem viermonatigen Studienurlaub kennen gelernt. Der Orgelmeister
bot dem jungen Mann, dessen Talent er erkannte, seine Stelle an. Allerdings
war dieses Angebot an die Bedingung der Ehelichung der Tochter des greisen
Meisters geknüpft.
Aus verschiedenen Gründen, nicht zuletzt wegen des langen Aufenthalts
bei Buxtehude, kommt es zu mehreren Zusammenstößen mit dem vorgesetzten
Konsistorium.
So ist ihm eine Berufung als Organist nach Mühlhausen willkommen,
seinen Abschied von Arnstadt zu nehmen. Im September 1707 tritt er das
neue Amt an. Hier heiratet er dann seine Cousine Maria Barbara, die ihm
zwei Töchter und fünf Söhne schenken soll.
Auch in Mühlhausen währt der Friede nicht lange. Seit 1685
hat der Pietismus seinen Siegeszug angetreten,
er versteht sich als eine Gegenbewegung und Reform der dogmatisch
verfestigen und erstarrten Orthodoxie. Dem
Pietismus geht es weniger um dogmatische "Rechtgläubigkeit" als vielmehr
um gelebtes, lebendiges Christentum, um persönliche Erweckung
einzelner
Menschen. Auf der Kanzel von St. Blasius in Mühlhausen tobt
der Streit zwischen den Konservativen und den Reformern. Der orthodox erzogene
Kantor gerät zwischen die Parteien. Seine Bemühungen um konzertante
Kirchenmusik werden von den Pietisten attackiert. "Der Pietismus leugnete
den Symbolwert der großen Kirchenkunst, verwarf sie als Verführung
und Blendwerk und begnügte sich mit erbaulichem Liedersingen."
Schon im Juli 1708 entschließt sich Bach daher um Entlassung
zu ersuchen.
Er findet eine Stelle als Cembalist und Geiger bei Herzog Wilhelm Ernst
von Sachsen Weimar. Er befreundet sich mit Georg
Philipp Telemann, der Konzertmeister in Eisenach ist. Telemann wird
dann auch 1714 der Taufpate von Carl Philipp Emanuel Bach. In Weimar entstehen
wie schon in Mühlhausen hauptsächlich Kantaten und Orgelwerke.
In dieser Zeit beschäftigt sich Bach aber auch intensiv mit den Werken
deutscher, französischer und italienischer Komponisten (Corelli, Vivaldi,
Albinoni, Froberger etc.). Das Orgelbüchlein
entsteht. "Über den Weimarer Werken, namentlich der letzten Jahre
(1714 - 1717), liegen der zauberhafte Glanz und die Frische genialer Jugend."
Auseinandersetzungen mit dem Fürsten führen dazu, dass der
zum Hofkonzertmeister aufgerückte Bach die Berufung nach Köthen
annimmt, die ihm im August 1717 zuteil wird. Erst im Dezember kann
er das neue Amt antreten. Der Arrest, unter den er gestellt wird, ist offenbar
die Reaktion des Herzogs auf die ungebührliche Form des Entlassungsgesuchs.
Am
calvinistischen
Hof
in Köthen erlebt Bach eine überaus glückliche Zeit, die
freilich durch den Tod Maria Barbaras im Juli 1720 getrübt wird.
1721 heiratet der Witwer die Sängerin Anna Magdalena Wilcken (sechs
Söhne und sieben Töchter).In der Köthener Zeit, die durch
die Freundschaft zum Fürsten geprägt ist, entsteht wieder
Orgelmusik, aber vor allem werden hier die Orchesterwerke komponiert,
Sonaten, Suiten, auch die sechs "Brandenburgischen
Konzerte". Weiter entstehen der erste Teil des Wohltemperierten
Klaviers und das 1. Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach.
Durch die Heirat des Fürsten mit einer "amusa" erlahmt sein Interesse
an der Musik.
Deshalb nimmt Bach 1723 die Berufung an die Thomaskirche
in Leipzig an. Es will ihm allerdings "anfänglich gar nicht anständig
seyn, aus einem Capellmeister ein Cantor zu werden."
In die Leipziger Zeit fallen fast alle Hauptwerke Bachs. 1723 wird
die Johannespassion uraufgeführt, der
Großteil der Kantaten wird geschrieben (annähernd fünf
Jahrgänge), eine Maukuspassion, die Matthäuspassion
(1729), das musikalische Opfer, die
Kunst der Fuge.
Der Streit mit dem Leipziger Konsistorium und dem Magistrat der Stadt begleitet die Jahre in Leipzig. Die Arbeitsbedingungen sind schlecht, Anerkennung muss sich der Thomaskantor woanders suchen. So bittet er etwa im Jahre 1733 um die Verleihung eine höfischen Titels durch den Kurfürsten und König August III. in Dresden. Dem devoten Gesuch legt er das Kyrie und Gloria aus der später erweiterten h-Moll-Messe bei. Erst 1736 wird er dann wunschgemäß zum "Hofkompositeur" ernannt. Zwischen 1734 und 1736 entstehen über 30 Kantaten, darunter das Weihnachtsoratorium (Reihe von sechs Kantaten), das Oster- und Himmelfahrtsoratorium.
Immer mehr gerät der Thomaskantor in den Gegensatz zu seiner Zeit,
in der sich der Geist der Aufklärung
ausbreitet. Die "Ehre Gottes" als "Endzweck" wird in Frage gestellt.
1744 wird der zweite Teil des Wohltemperierten Klaviers fertiggestellt.
Die Clavierübung, die Bach 1723 begonnen hatte, war schon 1742 mit
ihrem berühmten 4. Teil, den Goldberg-Variationen,
abgeschlossen worden.
Im Frühjahr 1747 besucht der alte Thomaskantor seinen Sohn Carl Philipp Emanuel und improvisiert in Potsdam vor König Friedrich II. Nach seiner Rückkehr nach Leipzig arbeitete Bach das Thema, das ihm der "Alte Fritz" zur Improvisation gestellt hatte zum "Musikalischen Opfer" aus. Während der Arbeit an der Kunst der Fuge erleidet Johann Sebastian Bach im Mai 1749 einen Schlaganfall. Seine Sehkraft wird stark beeinträchtigt. Der englische Augenarzt John Taylor operiert Bach zweimal, was aber nur die völlige Erblindung zu Folge hat.
Im Juli 1750 diktiert (?) der alte Mann seinem Schwiegersohn den
Choral "Vor deinen Thron tret ich hiermit"; es soll sein letztes Werk sein
(?). Überraschend für alle erlangt er am 18. Juli noch einmal
die Sehkraft. Ein zweiter Schlaganfall wirft ihn erneut zu Boden. Johann
Sebastian Bach stirbt am 28. Juli 1750.