John Winston Lennon kam am 9. Oktober 1940 um 6.30 Uhr während eines schweren Angriffs deutscher Luftverbände auf Liverpool im Entbindungshospital der Oxford Street zur Welt. Die Eltern, der Schiffssteward Fred Lennon und seine Frau Julia, geborene Stanley, trennten sich zwei Jahre später, da Johns Vater seine Stellung aufgab und als Gelegenheitsarbeiter außerhalb Liverpools lebte. Julia Lennon gab ihren damals knapp zweijährigen Sohn John in die Obhut ihrer Schwester Mary Smith und deren Ehemann George.

Bei ihnen wuchs er auf und verbrachte einen Großteil seiner Jugend, ohne seiner Tante Mimi, wie er sie nannte, in den ersten Jahren sonderliche Schwierigkeiten zu machen. Schwierigkeitn ergaben sich vielmehr aus der Rückkehr des Vaters nach Liverpool im Jahre 1945.
Nach einem gemeinsamen dreimonatigen Aufenthalt von Vater und Sohn John im nahegelegenen Badeort Blackpool beschloß Fred Lennon, nach Neuseeland auszuwandern und John mitzunehmen.

Eine heftige Auseinandersetzung zwischen seinen Eltern hatte zur Folge, daß es John, der zunächst bei seinem Vater bleiben wollte, doch wieder zur Mutter zog, und er mit ihr die gemeinsame Wohnung verließ. Wenig später, John war gerade fünf geworden, nahm ihn seine Tante Mimi auf ihr eigenes Bitten hin wieder in Obhut, denn seien Mutter Julia zeigte sich von einem Familienleben nur mit ihrem Kind - aber ohne Mann - nicht gerade begeistert. Dennoch, oder vielleicht sogar aufgrund dieser für das Kind durchaus spürbaren indirekten Ablehnung durch ein Elternteil entwickelte sich im Lauf der Jahre bei John Lennon eine intensive, jedoch einseitige Bindung an seine Mutter. Einige Indizien dafür lassen sich aus seinem Verhalten in späteren Jahren herauslesen.

So schrieb er beispielsweise 1970, als eine Art persönlicher Vergangenheitsbewältigung, das Lied Mother, in dem er seine Eltern unverhohlen anklagt: >Mother, you had me, but I never had you - Father, you left me, but I never left you.<
Ausschlaggebendes Moment für diese Darstellung eigener Schlüsselerlebnisse dürfte die umstrittente Urschrei-Therapie nach Janov sein, der sich mit seiner zweiten Ehefrau Yoko Ono Lennon unter Anleitung des Psychologen Artur Janov unterzog. Ebenso kann möglicherweise seine Heirat mit Yoko Ono (1969) ein Jahr zuvor und seine überaus starke Bindung an diese um sieben Jahre ältere Frau der Ausdruck eines durch Kinderheitserlebnisse geprägten Mutterkomplexes sein, der sich in der bis dahin stetigen und ruhelosen Suche nach einem >>Mutterersatz<< äußerte.

Diese These gewinnt an Gewicht, wenn man berücksichtigt, daß John Lennons Mutter im Juli 1958 durch einen Verkehrsunfall ums Leben kam, nachdem in den Jahren zuvor eine Beziehung zwischen John und seiner Mutter Julia aufgebaut worden war, die einen deutlichen >>Kumpel<<- Charakter hatte und weniger einer allgemein üblichen Mutter-Sohn-Beziehung entsprach.

Schulpflichtig geworden, besuchte er ab 1946 zunächst die Dovedale Primary School. In diese Zeit fielen auch seine ersten musikalischen Aktivitäten. Sein nettes Stimmchen blieb nicht unbemerkt, und bald sang er im Kirchenchor von St. Peter´s in Woolton. Seine Liebingslieder, zwei für einen Sechsjährigen jener jahre sicher nicht ungewöhnliche Titel, waren: Let Him Go, Let Him Tarry und Wee Willy Winkie. Im Alter von sieben Jahren begann John, erste kleine Büchlein zu schreiben und zu illustrieren. Eines nannte er z.B. >>Sport, Geschwindigkeit und Bilder<<.

1952 wechselte er von der Volksschule auf die Quarry Bank Grammar School im Liverpooler Vorort Allerton. Seine Tante, bei der er immer noch wohnte, kam jetzt nicht mehr so leicht mit ihm zu recht, da er sich mittlerweile mehr für Musik und ähnlichen >>Unsinn<<, wie sie sagte, zu interessieren begann und dabei die Schule vernachlässigte. Die einzige Unterstützung seiner musikalischen Ambitionen wurde ihm durch seinen Onkel George zuteil, zu dem john ein sehr herzliches Verhältnis hatte. Dieser starb jedoch im Juni 1953 gänzlich unerwartet an einem Blutsturz.

Kurz darauf ließ sich Johns Mutter Julia wieder regelmäßig sehen. Sie, die sich wieder zu einem lebensfrohen Menschen entwickelt hatte, wieder mit einem Mann zusammenlebte und zwei Töchter mit ihm hatte, mußte ihren Sohn nach dreizehnjähriger Trennung durch ihre Ausgelassenheit und ihre Späße, die sie nicht selten auf Kosten anderer trieb, sehr beeindruckt haben. Von ihr ließ er sich nur gerne dazu anhalten, sich noch intensiver mit Musik zu beschäftigen. Und sie war es auch, die John die erste Gitarre für zehn Pfund kaufte. Die ersten Stunden Musikunterrricht, die John besuchte, brachten kaum etwas. So waren die ersten Griffe, die er lernte, Banjoakkorde, die ihm seine Mutter zeigte.

Zwei Jahre und etliche Übungsstunden später gründete John 1955 an der Schule seine erste Band, die er in Anlehnung an die Quarry Bank Grammar School die Quarrymen nannte. Diese Band spielte zu Beginn in der Besetzung john Lennon und Eric Griffith (Gitarre), Pete Shotton (Waschbrett), Lenn Garry (Baß), Colin Hanson (Drums) und >>Rod<< (Banjo).

Ihre ersten Auftritte hatten die Quarrymen auf Schulfeten, Tanzabenden und anderen öffentlichen Veranstaltungen in der Umgebung. Die Band interessierte John weitaus mehr als die Schule. Und so wunderte sich niemand, seine Tante Mimi vielleicht ausgenommen, daß seine Leistungen sich verschlechterten und er von der Quarry Bank Grammar School abgehen mußte. Er wechselte im Herbst 1957 über auf das Livrpooler College of Art, ohne jedoch seine musikalischen Aktivitäten einzuschränken.

Im Gegenteil, seine Begeisterung für Skifflemusik und Rock´n´Roll, für Johnny Ray, Frankie Laine, Bill Haley, Lonnie Donegan, Chuck Berry und Elvis Presley nahm stetig zu. Darunter litt natürlich auch die Arbeit in der neuen Schule, was ihn jedoch immer weniger störte. Es machte ihm mehr Spaß, auf einer Bühne zu stehen und sich die Stimme heiser zu schreien.
Bei einem dieser Auftritte, noch vor seinem Abgang von der Quarry Bank Grammar School, es war der 15. Juni 1956, und die Quarrymen spielten gerade auf dem Kirchweihfest der Gemeinde Woolton, machte ihn sein Freund Ivan Vaughan mit einem Gitarristen bekannt, der ihm gleich einige Griffe zeigte, die er noch nicht kannte.
Dieser Gitarrist hieß Paul McCartney.

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