Schluß der 1880 geschriebenen
Selbstbiographie Mussorgskijs 1917 veröffentlicht von Varvara Komarova
- der Tochter vonVladimir Stassovs Bruder Dimitri - unter dem Pseudonym
Vladimir Karenin)
Mussorgskij gehört weder durch
seine Anschauungen über Musik noch durch die Art seiner Werke irgend
einer der gegenwärtig herrschenden Stilrichtungen an. Nach seinem
künstlerischen Glaubensbekenntnis ist die Kunst ein Mittel, mit den
Menschen zu sprechen, nicht Ziel an sich. Diese Überzeugung bestimmt
seine ganze schöpferische Tätigkeit. Wie Virchow und Gervinus
ist er der Ansicht, daß die menschliche Sprache musikalischen Gesetzen
untersteht. Er 6etrachtet es als Aufgabe der Musik, nicht nur die Gefühlsregungen
der Seele, sondern die menschliche Rede selbst in Tönen wiederzugeben.
Reformatoren wie Palestrina, Bach, Gluck, Beethoven und Liszt haben die
Regeln im Reich der Kunst geschaffen. Diese Regeln sind jedoch keineswegs
unerschütterlich, sondern wie die ganze geistige Welt des Menschen,
wandelbar und den Gesetzer wicklung unterworfen.