Keineswegs waren in jenen Jahren die Beziehungen zwischen dem
«Mächtigen Häuflein» und dem einstigen Absolventen des Petersburger Konservatoriums eingefroren. Doch auch freundschaftliche Kontakte (besonders zwischen Balakirew und Tschaikowsky) konnten die gegensätzlichen Positionen nicht überbrücken.
Ein Bekenntnis Tschaikowskys zum Schaffen Mussorgskys wäre einer Preisgabe seines künstlerischen Credos gleichgekommen. Den konzilianten, auf das Evangelium der Schönheit eingeschworenen Komponisten, der später geradezu zwangsläufig das literarische Schaffen Emile Zolas verabscheute, empörte auch bei einem keineswegs auf den naturalistischen Blickwinkel verengten Werk wie dem Boris Godunow die Aufgabe geheiligter Traditionen.
Umgekehrt war es gleichfalls ein Akt künstlerischer Selbstbehauptung, wenn sich Mussorgsky von der Musik Tschaikowskys distanzierte. Sadyk Pascha, der neu angenommene Name eines zum Islam übergetretenen polnischen Dichters namens Michail Tschaikowsky, wurde der herabsetzende Spitzname für den bald von einer Welle des Erfolgs getragenen Landsmann.
48