Tonale Formeinheit

Die Einheit der Suite ist gewahrt durch die Beziehung auf die Zentraltonart Es-Dur.
Von diesem Zentrum aus gesehen, ist die Aufeinanderfolge der Tonarten
eine auskomponierte Kadenz,
die von der Dominante (D = B-Dur) ausgeht,
über die Molltonika (oT = es-moll) zu einer enharmonischen Umdeutung des Subdominant-Bereichs (as = gis) führt,
sich über die Doppeldominante (DD = F- Dur) und Dominante zur Tonika zurückwendet, und dann mit neapolitanischer Rückung (h-C) auf mediantischem Weg in das große Es-Dur-Finale einmündet.
Der scheinbare Sprung von Bild 4 (gis) zur Promenade IV (d) ist durch die Leittondeutung des Tones gis zu a motiviert und betont zugleich das Tritonus- Intervall, das im Verlauf der Suite eine wichtige Rolle spielt. :

Der tonartliche Verlauf der Suite in Beziehung zur Zentraltonart Es-Dur:

IV V

d B

 

Die Bilder wechseln in regelmäßiger Folge zwischen raschem und gemäßigtem Tempo. Damit erinnert Mussorgskij an die beiden Grundtypen des russischen Volkslieds, das sich entweder in sehr raschem oder in getragenem Zeitmaß bewegt. Den raschen Sätzen der Suite (1-3-5-7-9) liegen verschiedene Scherzo-Typen zugrunde, deren Form im einzelnen durch die Bild- und Bewegungsvorstellung bestimmt ist. Nur das »Balletta (5) ist ein richtiges "Scherzino" mit Trio-Mittelteil. Die Ausdruckscharaktere der Sätze im langsamen

; Große Buchstaben bezeichnen Dur-, kleine Buchstaben Moll-Tonarten. Die Funktionsbezeichnungen bedeuten: oT = Moll-Tonika; os = Moll- Subdominante. osp = Mollsubdominane-Parallele; DDp = Doppeldominane- Parallele; oD = Moll-Dominanee; Sg = Subdominane-Gegenklang; SN = Subdominant mit neapolitanischer Sext.

Zeitmaß reichen vom Lyrischen (2), Melancholisch- Monotonen und Grotesken (6) bis zum Mystisch -Sakralen (8) und Majestätisch- Monumentalen (10).