3.Aufzug, 1.Szene

Wahn, Wahn! Überall Wahn!    Wohin ich forschend blick
in Stadt- und Weltchronik den Grund mir aufzufinden.
Warum gar bis aufs Blut die Leut sich quälen und schinden
in unnütz toller Wut? Hat keiner Lohn noch Dank davon:
in Flucht geschlagen wähnt er zu jagen
hört nicht sein eigen Schmerzgekreisch
wenn er sich wühlt ins eigne Fleisch,
wähnt Lust sich zu erzeigen.
Wer gibt den Namen an?  S´ist halt der alte Wahn,
ohn den nichts mag geschehen, s´mag gehen oder stehen!
Steht´s wo im Lauf, er schläft nur neue Kraft sich an:
gleich wacht er auf, dann schaut, wer ihn bemeistern kann
Wie friedsam treuer Sitten, getrost in Tat und Werk,
liegt nicht in Deutschlands Mitten mein liebes Nürenberg.
Doch eines Abends spat ein Unglück zu verhüten
bei jugendheißen Gemüten, ein Mann weiß sich nicht Rat
ein Schuster in seinem Laden zieht an des Wahnes Faden.
Wie bald auf Gassen und Straßen ängt der da an zu rasen!
Mann, Weib, Gesell und Kind fällt sich da an wie toll und wild.
und will´s der Wahn gesegnen nun muß es Prügel regnen,
mit Hieben, Stoß und Dreschen den Wuchtesbrand zu löschen.
Gott weiß, wie das geschah? Ein Kobold half wohl da.
ein Glühwurm fand sein Weibchen nicht;
der hat den Schaden angericht´t.
Der Flieder war´s , Johannisnacht!
Nun aber kam Johannistag
Jetzt schaun wir wie Hans Sachs es macht,
daß er den Wahn fein lenken kann
ein edler Werk zu tun.:  denn läßt er uns nicht ruhn,
selbst hier in Nürenberg so seis um solche Werk,
die selten vor gemeinen Dingen
und nie ohn ein´gen Wahn gelingen.