Die Positionen sind klar. Richard Wagner bekämpft
als wahrer Sozialist den roh-destruktiven Kommunismus von Marx und Engels.
Der Kommunistenbund verspottet die Positionen des wahren Sozialismus, also
auch diejenigen Richard Wagners, als «liebesschwüles»
Geschwätz von Schöngeistern und Halbphilosophen.
Wagner der Musikdramatiker
Wie immer man über Richard Wagner als
Revolutionär denken mag: er repräsentiert eine typische Haltung;
keineswegs ist er ein Fremdkörper in dieser sonderbaren deutschen
Revolution. Er gehört zu ihr und sie gehört zu ihm.
Da gibt es nicht einmal eine Zweiteilung in den Revolutionär und den
Künstler Richard Wagner: Verse aus der Lohengrin-Dichtung verwandeln
sich in politische Kampfgedichte, die Gedanken des politischen Redners
und Agitators erfahren ohne Schwierigkeit eine Übertragung ins Opernhafte
und Dramatische.
Richard Wagner interessiert sich als Musikdramatiker
neben der Arbeit am Jesus-Stoff für ein sonderbares Projekt, das wiederum,
wie schon beim Lohengrin, als Mischung aus Mythos und Geschichte gedacht
ist: als eine Synthese aus Nibelungen und Hohenstaufen.
Friedrich Barbarossa, die Waiblinger und
die Nibelungen—daraus wird ein Plan mit dem Titel Die Wibelungen. Die Schlußworte
dieses Projektes, gleichfalls im Jahre I848 niedergeschrieben, zeigen die
Synthese des revolutionären Politikers und des Muslkdramatikers: sie
bilden überdies die Keimzelle des späteren Nibelungenrings:
«Wann kommst du wieder, Friedrich, du herrlicher Siegfried!
und schlägst den bösen nagenden Wurm der Menschheit?—
<Zwei Raben fliegen um meinen Berg—,
sie rnästeten sich fett vom Raube des Reiches!
Von Südost hackt der eine, von Nordost hackt der andere:—
verjagt die Raben und der Hort ist euer!—
Mich aber laßt ruhig in meinem Götterberge!) »
Auch die Revolutionsschriften des Jahres 1849
stehen dazu nicht im Widerspruch. In diesen vierzehn.Monaten einer deutschen
oder sächsischen Revolution bleibt Wagner folgerichtig.
Sein Aufsatz Der Mensch und die bestehende
Gesellschaft stellt fest: Im Jahre 1848 hat der Kampf des Menschen
gegen die bestehende Gesellschaft begonnen. Es ist die seit Ludwig Feuerbach
wohlbekannte «menschliche Gesellschaft», worin die konkrete
Sozialstruktur unter den Zügen einer Abstraktion «des Menschen»
erscheint. Wagner fordert zwar —was einen Fortschritt gegenüber seinen
Ideen von 1848 darstellt—, daß die bestehende Gesellschaft als eine
verworfene beseitigt werden müsse. Die Gesellschaft der Zukunft habe
die Pflicht, die Menschen durch Vervollkommnung ihrer geistigen, sittlichen
und körperlichen Fähigkeiten zu immer höherem, reinerem
Glück zu führen. Das Bewußtsein aber einer solchen Bestimmung
des Menschenrechtes müsse in der Gesellschaft erst geweckt werden.
Das bedeute Kampf .