Revolution und Revolutionär

Richard Wagner durchlebt diese revolutionäre deutsche Auseinandersetzung als ein Künstler und Politiker, der versuchen muß, seine philosophischen und literarischen Reminiszenzen aus Jungem Deutschland und Feuerbach, Proudhon und Stirner mit seinen eigenen besonderen künstlerischen Aspirationen in Verbindung zu bringen. Wagner ist gar nicht fähig und erst recht nicht willens, einem Revolutionsprogramm sich anzuschließen ohne Rücksicht darauf, ob dieses Programm seine eigenen musikalischen und theatralischen Konzeptionen zu fördern imstande wäre.
Die Revolution ist seine Revolution.
Gewiß geht es auch ihm um die deutsche Einheit, um neue Verfassungsformen: aber vor allem geht es ihm doch um die Verwirklichung seiner künstlerischen Projekte mit Hilfe der Revolution.
Da der sächsische Hof und die Hoftheaterverwaltung in Dresden bisher den Reformplänen des Kapellmeisters Wagner sehr zähen Widerstand geleistet hatten, neigt Richard Wagner — selbstverständlich, möchte man sagen — den republikanischen Tendenzen zu. Von denen allerdings hat er sonderbare, nicht sehr klare, aber vielleicht dafür recht eigennützige Vorstellungen.
Seine Rede "Wie verhalten sich republikanische Bestrebungen dem Königtum gegenüber" vermag darüber Auskunft zu geben. Monarchistischer Republikaner oder republikanischer Monarchist. Vor allem aber ein Revolutionär, dem es um die Kunst- und Theaterreform geht. Der Sieg der Revolution ist als Sieg der Theorie und Praxis des Künstlers Richard Wagner gedacht. Durch alle revolutionären Aktionen und Schriften dieses sächsischen Kapellmeisters und Tonsetzers—vom März 1848 bis zur ersten Maiwoche 1849—zieht sich dieses Leitmotiv.