Wagner als aktiver Revolutionär

Praktisches Tun, Wahl des Umgangs, theoretische Überzeugungen, alles war einheitlich geworden.
Am frühen Morgen des 4.Mai 1849 brach in Dresden der bewaffnete Aufstand aus. Die Frankfurter Reichsverfassung sollte durchgesetzt werden. Die sächsische königliche Regierung aber erklärte, die Verfassung der Paulskirche sei dadurch hinfällig geworden; daß Friedrich Wilhelm IV von Preußen die  angebotene Kaiserkrone abgelehnt habe.
Der sächsische König bildete eine neue revolutionsfeindliche Regierung und rief preußische Truppen zur Hilfe, um die gewaltsame Durchsetzung der Paulskirchen-Verfassung durch die demokratische und republikanische Partei zu verhindern.
Am 3. Mai wurden Barrikaden errichtet, am 4. flüchteten Hof und Regierung nach der Festung Königstein, worauf in Dresden eine provisorische Revolutionsregierung gebildet wurde.. Bis zum 5. Mai wurde Waffenruhe beschlossen, aber inzwuischen waren die preußischen Truppen eingetroffen. Die Revolutionäre von Dresden dagegen erhielten fast keinen Zuzug. Ihre Leipziger Gesinninungsfreunde hielten flammende Reden, verhinderten aber nicht einmal, daß, die sächsische Garnison abzog und sich auf Befehl der königlichen Regierung gegen Dresden in Bewegung setzte.
Am Nachmittag des 6. Mai begann der Straßenkampf. Preußische Artillerie, zwei preußische Infanterie - Bataillone, dazu die sächsischen Regimenter. Die Kavallerie schnitt die Zuzüge ab, die Barrikaden wurden von der Artillerie beschossen. Michail Bakunin, ehemaliger zaristischer Offizier war praktisch der einzige Befehlshaber auf den Barrikaden. Das Bild dieses Mannes mit dem «ungeheuren Bart» hat sich den Überlebenden stark eingeprägt. Die regierungstreuen Truppen drangen am
7. Mai in die Innenstadt ein. Richard Wagners Regierungsstätte, das alte Opernhaus, geriet in Flammen. Am Abend des 8. Mai beschlossen die Führer der provisorischen Regierung  und des Aufstandes, ,mit ihren Kämpfern ins Er birge zu ziehen, um von Freiberg aus den Kampf weiterzuführen.

Die Künstler des Vaterlandsvereins waren auf der Seite des Aufstands zu finden. August Röckel war Soldat und Befehlshaber; von Gottfried Semper, dem Architekten, gebaute Barrikade erwies sichals besonders widerstandsfähig:
Richard Wagner hatte Manifeste verteilt und das Feuer durchschritten. Am 7. Mai befand er sich auf dem Turm der Kreuzkirche als Beobachtungsposten.

Am 9. Mai zog auch er mit Minna vereinigt im Einspänner ins Erzgebirge.
In Freiberg traf er mit Bakunin zusammen. Inzwischen aber hatte die provisorische Regierung entdecken müssen, daß die Freiberger Behörden nicht bereit waren, den Kampf gemeinsam mit den Aufständischen fortzusetzen. Man beschloß, nach Chemnitz zu: übersiedeln. Bakunin eilte voraus, Wagner traf spät in der Nacht gleichfalls in Chemnitz ein.
Das wurde sein Glück, denn Bakunin und die anderen Revolutionäre waren bereits verhaftet. Die königstreuen Chemnitzer Behörden hatten sich ihrer bemächtigt, um sie auszuliefern. So glückte Wagner, den man nicht entdeckt hatte, die Flucht. Er gelangte zunächst nach Weimar.

Bakunin und auch August Röckel waren gefangen. Der Russe  ging seiner Auslieferung an den Selbstherrscher aller Reußen gegen. Röckel wurde zum Tode verurteilt, dann aber zu lebenslängIichem Zuchthaus begnadigt. Elf Jahre hat er im Zuchthaus Waldheim abgebüßt. Die Gefangenen waren gefesselt und mußten einen Eichenklotz mit einer Kette am Bein mit sich nachschleppen Hundertachtundsiebzig Aufständische wurden in Dresden getötet, den Verlust der Regierungstruppen gab man offiziell mit 34 Toten und 36 Verwundeten an.