DIE Entführung aus dem Serail
                        

Deutsches Singspiel in drei Akten. Text nach Chr. F. Bretzner
von Gottlieb Stephanie jun.
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart.

Uraufführung am 16.07.1782 in Wien. Deutsche Erstaufführung am 22.6. 1783 in Bonn.

Personen

Konstanze (Sopran)
Blondchen, ihre Zofe(Sopran)
Bassa Selim (Sprechrolle)
Belmonte (Tenor)
Pedrillo, Belmontes Diener (Tenor)
Osmin, Aufseher über das Landhaus des Bassa (Baß)
Klaas, ein Schiffer (Sprechrolle)
Anfürer der Wache (stumme Rolle)
Ein Stummer

Ort       Landgut des Bassa in der Türkei, Mitte des 16. Jahrhunderts.

Handlunq
1 .Akt      Konstanze, die Geliebte des spanischen Edelmannes Belmonte, ist zusammen mit ihrer Zofe Blondchen und Belmontes Diener von Piraten entführt  und an Selim Bassa verkauft worden, der Konstanze für sich begehrt und Blondchen seinem dicken Aufseher Osmin geschenkt hat.
Belmonte ist nach langer Suche endlich auf das Landhaus des Bassa gestoßen und will seine Braut von hier entführen ( Arie" Hier soll ich dich denn sehen"). Als Baummeister sucht er Zutritt zum Haus, trifft aber zunächst nur mit dem Aufseher Osmin zusammen, der ihn mißtrauisch behandelt (Lied" Wer ein Liebchen hat gefunden" und die Arie" Solche hergelaufene Laffen").
Nach dessen Abgang kann Belmonte von Pedrillo Näheres über Konstanze erfahren. Schließlich tritt Selim Bassa selbst an der Seite Konstanzes auf. Er drängt sie, sich für ihn zu entscheiden, gibt ihr aber noch einen Tag Aufschub (Arie" Ach, ich liebte"). Belmonte wird von Pedrillo beim Bassa als Architekt eingeführt.

2. Akt Im Garten des Landhauses streiten Blondchen und Osmin, der sich gegen ihre schnippischen Attacken kaum zur Wehr zu setzen vermag (Arie" Durch Zärtlichkeit"). Der Bassa will Konstanze keinen längeren Aufschub gewähren, sie lehnt seine Anträge jedoch ab (Arie" Traurigkeit ward mir zum Lose"), und als er ihr mit Gewalt droht, läßt sie erkennen, daß sie durch keine Martern zur Änderung ihrer Meinung gezwungen werden könne (Arie" Welche Wonne" und "Frisch zum Kampfe"). Während Blondchen dies ihrer Herrin mitteilt, flößt Pedrillo dem dicken Aufseher Wein in größeren Mengen ein, wodurch er in tiefen Schlaf versetzt wird. Nun können die beiden Paare endlich erstmalig zusammenkommen (Arie" Wenn der Freude Tränen fließen"); der bangen Frage, ob die beiden Frauen auch treu geblieben sind, folgt großer Jubel im Quartett.

3. Akt Um Mitternacht (Arie" Ich baue ganz auf deine Stärke") gibt Pedrillo durch ein Ständchen das verabredete Zeichen zur Flucht ("lm Mohrenland"). Während Belmonte und Konstanze zum Strand eilen, wo ein Schiff bereitliegt, werden Pedrillo und Blondchen erwischt. Osmin triumphiert bei dem Gedanken, daß nun alle vier Fremden hingerichtet werden sollen (Ariez Ha, wie will ich triumphieren"). Selim Bassa erkennt in Belmonte den Sohn eines alten Todfeindes. Konstanze und Belmonte nehmen Abschied vom Leben und glauben an ihren sicheren Tod. Doch Selim Bassa ist edelmütig und schenkt beiden Paaren die Freiheit.

Anmerkung:
Erstmalig gelingt Mozart trotz der Trivialität der Handlung eine genaue Charakterisierung der dargestellten Personen, wobei die Figur des überlaunigen, grausamen, gierigen und dabei doch lustigen Osmin bei Anwendung aller sängerischen Möglichkeiten eines tiefen Basses am besten getroffen ist. Belmonte und Konstanze sind mit schwärmerischen edlen Arien und Duetten melancholischer Art bedacht; im Quartettfinale des zweiten Aktes heben sich ihre Charakter plastisch von den unbeschwerten heiteren Figuren des"Buffopaares" Pedrillo und Blondchen ab. Mozart nannte das Werk ein Singspiel, doch steht hier im Gegensatz zu allen früheren Werken dieser Gattung die Musik gegenüber dem gesprochenen Zwischentext im Vordergrund, die "Poesie ist der Musik gehorsame Tochter", wie Mozart es selbst in einem Brief ausdrückte. Das in jener Zeit häufige und beliebte orientalische Sujet kommt durch Anwendung des Schlagzeugs gewisser fremdartiger Melismen auch in der Musik deutlich zum Ausdruck, ohne jedoch zur Manier zu werden. Mozart schrieb das Werk etwa in der Zeit seiner Bekanntschaft und Heirat mit Konstanze Weber, woraus sich wohl die Namengebung für die Hauptheldin ableiten läßt, deren Rolle besondere gesangliche Anforderungen stellt, weil sie neben breiten Iyrischen Passagen auch dramatische Koloraturen enthält, mit denen Mozart- wie auch später bei der Königin der Nacht- die innere Erregung der dargestellten Gestalt zum Ausdruck bringt. Die Komposition schritt so schnell voran, daß Mozart vielfach die Noten seinem Textdichter Stephanie zum Unterlegen des Textes zukommen liel3.