Das "MUSICAL"

 

Definitionen:

(Kurz)

Musical: (engl.): "amerikanisches Musiktheater, verwendet gesprochene Dialoge, Songs, Tanzeinlagen und Showeffekte."

Musical: (engl.): " eine von Singspiel, Revue und Operette beeinflußte, etwa um 1900 in den USA entstandene Form der musikalischen Komödie."

 

Siegfried Schmidt-Joos, Das Musical 1965

"das Musical ist eine in New York entstandene, in der Regel 2-taktige Form populären Musiktheaters, die Elemente des Dramas, der Operette, des Varietees und in Ausnahmefällen- der Oper miteinander verbindet. Es basiert häufig auf literarischen Vorlagen und verwendet die Mittel des amerikanischen Popsongs, der Tanz- und Unterhaltungsmusik und des Jazz, Showszenen, Songs und Balletts sind in die Handlung integriert.

Harper`s Dictionary of Music, 1973

"Das Musical ist populäre Bühnenunterhaltung, eine Mischung aus Dialogen, Songs, Ensemblenummern und Tänzen. Auf eine in sich schlüssige Handlung wird weniger Wert gelegt als auf eine Musiknummer. Das heutige Musical gedeiht vornehmlich auf kommerziellem Boden, Hauptziel ist finanzieller Gewinn,. Komponisten benutzen mit Vorliebe den jeweils populären Musikstil, um mit ihren Melodien ein zahlenmäßig großes Publikum zu erreichen und zu erfreuen."

Beide Definitonen sind so richtig, wie sie auch falsch sind.
Die Kritiker sind sich mehr einig, was Musical bestimmt nicht ist: eine modern getrimmte Operette etwa oder ein mit Songs durchsetztes SCHAUSPIEL.

Jeder der sich ein wenig mit der Entstehung des Musicals beschäftigt, wird erkennen, daß das Musical eine ganz eigene Welt ist. Ein Musical läßt sich nämlich nicht einfach in ein Kästchen stecken und ein verbindliches Thema hat es auch nicht. Und auch die Publikationen zum Thema "The Making of a Musical" sind größtenteils nicht einmal das Papier wert, auf das sie gedruckt sind.

Unterschied von Musical und Operette:
Die Bühnenproduktion und die "Show" genießt beim Musical absoluten Vorrang gegenüber der Partitur, gegenüber dem "Werk" also. Großzügiges Streichen und Umstellen von Szenen ist nicht weniger üblich als die Praxis, Hits aus anderen Werken des Künstlers einzubauen.
Die Folgen sind nicht selten beträchtliche Abweichungen von Einzelheiten der Originalhandlung. Aus diesem Grund wurden die Inhaltsangaben der Musicals auf das Nötigste beschränkt, wurde ferner darauf verzichtet, die häufig nur für bestimmte Aufführungen erstellten deutschsprachige Versionen anzuführen
                             Wie kommt es zu dem Wort MUSICAL??
Musical ist im englischen wie im amerikanischen Sprachgebrauch ein Adjektiv. Früher hat es dem Publikum genau erklärt, was da musikalisch ver- oder bearbeitet war und dementsprechend auf der Bühne zu sehen war:
Musical Drama, Musical Comedy, Musical Play, Musical Fable.
Doch diese ganzen Detailbezeichnungen waren dem Showgeschäft zu lang. Es verlangt nach kurzen, griffigen und einprägsamen Slogans, um auf sich aufmerksam machen zu können. Dieses war für die Amerikaner kein Problem. Sie waren mit ihrer Sprache generell nicht zimperlich, also schufen sie einfach ein Kürzel. Sie machten aus dem Adjektiv ein Substantiv; der Name MUSICAL war geboren.

                                Wurde das Musical durch Zufall erfunden????
Das Musical ist eine amerikanische Erfindung, seine Wurzeln aber sind europäischen Ursprungs. Vielleicht kann man sogar behaupten, daß das Musical die amerikanische Antwort auf die aus Europa importierte Operette ist.

            Aber wie kommt man nun zu einer Antwort???

Im Grunde genommen muß man nicht nur die wichtigsten Vorfahren des Musicals kennenlernen, sondern auch die einzelnen Elemente, die zum Endprodukt Musical geführt haben, beleuchten.
Das Musical an sich ist: - ein sich stets änderndes Genre (Art, Gattung, Wesen) - für die jeweiligen Trends der Zeit , aufgeschlossen durch die perfekte Harmonie von Text, Musik und Darstellung, und durch die Synthese der zahlreichen zur Verfügung stehenden Stilmittel zu einem Ganzen verschmolzen.
Aus diesem Grunde ist es auch nicht möglich, eine endgültige Definition für das Musical zu finden. Vielleicht sollte man dieses auch gar nicht anstreben.
Dem Musical bedarf es der Professionalität, der Universalbegabung und einer funktionierenden Theaterorganisation. Kunst ist Geschäft, daher heißt es in Amerika auch SHOWBUSINESS (das Geschäft mit der Show). Dort gibt es nichts Mittelmäßiges, keinen Dilettantismus. Entweder steht oder fällt eine Show. Zugeständnisse an die Qualität verpönt.
MUSICAL BEANSPRUCHT NICHT ERNST ZU SEIN, ES WILL UNTERHALTEN!!!
Das Musical würde niemals jenen Stellenwert im Unterhaltungstheater einnehmen, wäre es nicht ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor.