Mozarts c-moll-Messe in Düsseldorfs Tonhalle
Kritik zu dieser Kritik

                                   Greisin Musica

Zuweilen verzichtet Mozart, da sehr große Ton-Intervalle zu überwinden sind, auf den Fahrstuhl und bittet die Sänger ans Trampolin. Was sonst Koloraturen erledigen, muss nun im Sprung glücken.
In solchen Momenten will Mozart Dinge sagen, die weder mit der linken Hand noch mit der rechten Stimme zu schaffen sind . In der Arie "Et incarnatus est" der c-moll-Messe etwa geht es einmal vom kleinen c direkt aufs hohe h , das sind fast zwei Oktaven für den Sopran. Wozu? Was sagt der Text? "Et homo factus est" -und ist Mensch geworden . Darum geht es: Musik für den Christus -Raum zwischen Himmel und Erde. Wer in die Noten guckt sieht: Keiner der beiden Töne steht im Liniensystem. ! Tja. Mozart wieder mal. Halt der Allergrößte.
Jede Sopranistin der Welt weiß, dass dieses akrobatische "Et incarnatus est" auch darüber entscheidet, ob sie Priesterin wird oder oder auf dem Opferaltar landet.
Sylvia Greenberg zog sich im Düsseldorfer Symphoniekonzert prächtig aus der Affäre. Es fehlte ihr zwar an letzter Geschmeidigkeit und vorletzter Deklamationskunst.Doch machte sie wunderbar klar, dass es hier auch um Atrnosphärisches geht , -um ein kleines E:ngelskonzert von Sopran und drei solistischen Holzbläsern. Frau Greenberg sang das wahrhaft erfüllt, nobel , mit Stil . Und alles ward gut; jener Sprung übrigens sehr fein. Noch lange könnten wir davon berichten. Gab ja auch sonst nichts Herausragendes zu erzählen

Die Aufführung in der Tonhalle litt unter trutzig-klobigen  von Salvador Mas
 Conde magistral verwa1ten Tempi. Er kapellmeisterte das Stück herunter Als habe es nichtt in den letzten Jahrzehnten Leute wie Gardiner Parrott, Neumann  oder Harnoncourt gegeben die zufälliger Weise zur c moll Messe sehr, in Worten, sehr bedenkenswerte , CD-Mitteilungen abgegeben haben.
Bei Mas Conde klang Mozart nicht nach Trösterin sondern nach Greisin MusicaGreisin Musica: Grotesk das Silbengehacke im Credo, röchelnd die breiten Schußfloskeln der Chorfugen,' gänzlich zur Wattiertheit verurteilt das ,,Quoniam" (das ist  ein Allegro im Alla-breve-Takt,  Herr!).
Es stimmt zwar, dass nackte Tempi nichts über innere Bewegung sagen .Aber wenn ein Dirigent schier mit Wohnzimmerpuschen ans Pult tritt, ist er für equilibristische Manöver falsch gekleidet.
   Oder war es Rücksicht auf den Städtischen Musikverein? Nun, der ist zwar kein elitärer Kammerchor doch weitaus quicker, als Mas Conde zu glauben scheint. Unter animierenden Dirigenten klingt er übrigens in der Regel schöner.
  Bleibt Elisabeth von Magnus als Sopran II mit geläufigen Koloraturen, seltsamer Neigung zu inegalen Notenwerten und spitzen, nicht ins Timbre integrierten Höhen. Tenor Jörg Schneider versang sich im ,,Quoniam" so auffällig, dass er sich
  sogleich in Diskretion übte. Bassist Sami Luttinen komplettierte die Soli im ,,Benedictus" zum Quartett
   Keine Pause, müderBeifall. Bald war man daheim, um den Staub ab-
zuklopfen.
WOLFRAM GOERTZ