aus Müller-Blattau, S.58

In dieser Zeit äußeren Glückes für Mozart trat etwas ein, das ihn innerlich bedeutsam fördern sollte. Durch Gottfried van Swieten, den Sohn des Leibarztes der Kaiserin Maria Theresia, jetzigen Präfekten der kaiserlichen Hofbibliothek, wurde er mit den Werken Bachs und Händels näher bekannt. Wohl war ihm durch Padre Martini und die Tradition der spätbarocken Salzburger Kirchenmusik die Welt des Kontrapunktes nicht unvertraut. Aber er lernte sie jetzt erst in ihren Gipfelleistungen kennen. Merkwürdig genug ist der Anlaß.

G. van Swieten war in den Jahren -1770-77 kaiserlicher Geschäftsträger am preußischen Hofe, also bei Friedrich dem Großen gewesen. Der König selbst machte van Swieten bei einer Audienz im Juli 1774 auf J. S. Bach aufmerksam, erzählte von dessen Besuch im Jahre 1747 und sang ihm sogar das Fugenthema aus dem "Musikalischen Opfer" vor. So trat van Swieten nun auch mit den großen Söhnen Bachs, Friedemann und Ph. Emanuel, in Verbindung und verschaffte sich Werke des Altmeister-. Nach Wien brachte er die "Kunst der Fuge", das "Wohltemperierte Klavier", die "Orgeltrios" und von Friedemann die "Acht Fugen" mit. Ph. E. Bach aber gab er den Auftrag, für ihn vier Orchestersinfonien (die nachmals so berühmten) zu schreiben. Als später (18o2-) die erste Bachbiographie von Forkel erschien, wurde sie dem Wiener Bachkenner G. van Swieten gewidmet.

" ... Ich gehe alle Sonntag um -12 Uhr zum Baron van Swieten und da wird nichts gespielt als Händl und Bach - ich mach mir eben eine Collection von den bachischen Fugen - sowohl Sebastian als Emanuel und Friedemann Bach -- Dann auch von den Händlischen",
schreibt Mozart am l0. April -1782 an den Vater und läßt sich von Salzburg Fugen von Händel und Eberlin schicken. Mit Bach tritt etwas ganz Neues in Mozarts Gesichtskreis. Er erschaut - um mit Hindemiths Worten über Bach zu sprechen -einen "Gipfel musikalischer Größe . . . , dessen Klarheit uns nicht durch das Einmischen von menschlichen, persönlichen, zeitbedingten, kurzum profanen Problemen des Komponisten verschleiert wird ... ein Symbol für alles Edle, das wir mit dem bessern Teil unseres Wesens anstreben".
Als reinste Ver körperung dieser Musikgesinnung erscheint Mozart die Fuge Bachs. Ganz behutsam geht er daran, sie zu studieren, arbeitet sie nach, indem er einige Fugen des l,Wohltemperierten Klaviers" für Streicher setzt (auch eine von Friedernann) und mit eigenen Präludien versieht.
Dann versucht er sich selbst in der Form.
Eine Violinsonate in A-dur (KV 402) unter sechsen dieser Zeit mit nur zwei Sätzen (und auch diese nicht ganz vollendet) führt eine richtige vierstimmige Fuge ein.
Dann die Fantasie und Fuge für Klavier in C-Dur (KV 394) vom April 1782,
die Fuge aus der Suite "im Händelschen Stil" (KV 392) und endlich die mächtige
Fuge für 2 Klaviere in c-moll (KV 426), die er später selbst für Streicher auseinanderlegte und mit einer Adagio-Einleitung (KV 456) versah.

  Schülerreferat zur Fuge                                                  amerik..Arbeit zum Verhältnis Mozart-Bach
                                          Analyse der "Cum sancto"-Fuge