Requiem

Der Auftrag, das Requiem zu schreiben, war unter seltsamen Umständen zu Mozart gekommen. Kurze Zeit vor der Prager Reise war ein Mann bei ihm eingetreten, der seinen Namen nicht nennen wollte. Er bestellte im Auftrag eines anderen eine Seelenmesse bei Mozart. Dieser unbekannte Bote, der leise sprach und ein graues Gewand trug, legte bei einem zweiten Besuch eine Rolle Geld auf den Tisch - wohl die Hälfte des Honorars - und verschwand. Wir wissen heute: ein Dilettant, Graf Franz von Walsegg, hatte diesen Boten geschickt. Er brauchte eine Totenmesse für seine kürzlich verstorbene Frau. Da er sich selbst vor seinen Freunden als Verfasser auszugeben wünschte, hatte der seltsamer Dilettant mit dem Auftrage an Meister Mozart die sonderbare Bedingung verknüpft, dem Besteller dürfte nicht nachgeforscht werden. Im Augenblick der Abfahrt nach Prag trat der "Bote" Mozart zum dritten Mal an.
Nach Mozart’s Zurückkunft von Prag nach Wien nahm er sogleich seine Seelenmesse vor, und arbeitete mit außerordentlicher Anstrengung und einem lebhaften Interesse daran; aber seine Unpäßlichkeit nahm im demselben Verhältnisse zu und stimmte ihn zur Schwermuth. Mit inniger Betrübnis sah seine Gattin seine Gesundheit immer mehr hinschwinden. Trotz der schweren Krankheit verbrachte Mozart fast die ganze Zeit mit dem Requiem. Er wurde immer matter und schwächer, bis er endlich ganz auf das Krankenlager hinsank, von dem er nimmer wieder aufstand.
Fortwährend arbeitete seine fiebernde Phantasie am "Requiem". Am Tage von seinem Tode, am 3. Dezember, ließ er sich die Partitur ins Bett legen. Benedikt Schack übernahm die Sopranstimme, sein Schwager Franz Hofer den Tenor, Franz Gerl (der erste Darsteller des Sarastro) den Baß und Mozart selber die Altstimme. Man begann das Lacrimosa...
Aber nach wenigen Takten klappte Mozart die Partitur zu. Er konnte nicht mehr. Die Ahnung, das Requiem nie zu vollenden, - das Gefühl, sein eigenes Totenlied zu dichten, übermannte ihn. Er fing heftig an zu weinen.

 Lacrimosa dies illa,
Qua resurget ex favilla;
Iudicandus homo reus...

 Es ist die Stelle, wo des Meisters Arbeit abbricht. Wahrscheinlich probierte man das Lacrimosa nach Skizzen auf Zetteln. Die folgenden Worte:

 Huic ergo parce, Deus,
Pie Jesu, Domine!
Dona ei requiem...

werden von erhabener Musik zum Himmel emporgetragen.

Die letzten Noten von Mozarts Hand