"KLASSIK" bezieht sich seit der Anerkennung des antiken Vorbildes in der Renaissance auf Kultur, Kunst und Literatur des griechisch-römischen Altertums.
Später fand eine Erweiterung auf den Charakter des Mustergültigen und des Vorbildlichen als Normbegriff statt.
Schließlich gab es die Übertragung auf die kulturellen (künstlerisch und literarisch) Höchstleitungen eines Volkes. KLASSIK wurde zum Begriff einer ganzen Epoche.
Höhepunkt der Entfaltung ist die Reife- und Blütezeit einer Nation, meistens ist dieses eine Zeit mit enger Bindung zur Antike.
Das Zeitalter der Klassik wurde in den
verschiedensten Formen in anderen Ländern deutlich:
In Griechenland: Zeitalter des
Perikles
In Rom: Zeitalter unter Augustus
In Italien: die Renaissance um
die Wende vom 15. ins 16. Jahrhundert von
Dantes bis Tasso
In Spanien: das "Goldene Zeitalter"
Calderons und Cervantes
In England: elisabethanische Zeitalter
(als Vertreter: Shakespeare)
In Frankreich: Zeitalter unter
Ludwig XIV. (Im 17. Jh.) von Corneille bis Racine
In Deutschland: die sogenannte
"Weimarer Klassik" oder Goethezeit
In Deutschland bildet die Klassik
den Abschluß des Ringens um die Aneignung der antiken Bildungswerte.
Besonders die Aneignung der griech. Elemente in harmonischer Kunstvollendung
und Kunstbegrenzung.
Es tritt die Forderung nach gleichen Anteilen
des Verstandes, des Gefühls und des Geistes und der Natur auf.
Das apollinische Schönheitsideal
aus Winkelmanns Harmoniestreben wird evident.
Als auf die Klassik vorbereitende Strömungen
werden gesehen:
1.) Die rationale Aufklärung mit
ihrer diesseitsbetonten Verweltlichung der Dichtung.
2.) Der Pietismus und die Empfindsamkeit
mit der Forderung nach Seeleninnerlichkeit.
3.) Der Sturm und Drang, als Durchbruch
des Irrationalen, inbegriffen die freie Entfaltung der Gemütskräfte.
Als Klassik-Epoche wird der Zeitraum von
Goethes Italienreise bis Schillers Tod bezeichnet, also die Zeit von 1786
bis 1805.
Gemeinsame Merkmale der Klassik
sind das Streben nach Gestaltung von typischen Urbildern. Diese Urbilder
dienen als höchste Erscheinung von Mensch - und Welterfassung. Sie
sind das Symbol der sittlichen Ordnung.
Ziel soll die diesseitige Vollendung
in geschlossener, harmonischer und ausgewogener Kunstform sein. Harmonie
und Welt ergeben ein ist das Welterleben und wie der tragisch anerkannte
Mensch in ein harmonisches All bzw. in die Gesetze des Kosmos eingeführt
wird.
Behandelt werden die Grundfragen des Daseins
um Menschsein und Menschenwürde, sowie die Seelengröße
in innerer und äußerer Freiheit
Empfindsamkeit
Als Empfindsamkeit wird die literarische
Strömung innerhalb der zweiten Hälfte der Aufklärung bezeichnet,
in Deutschland ist dieses insbesondere die Zeit von 1740 bis Empfindsamkeit
wird als eine Reaktion, die politisch einflußlos ist. Sie wird als
Verweltlichung des religiösen Naturgefühls in subjektiven Gefühlsüberschwang.
Das Belauschen und der Selbstgenuß der innerseelischen Regungen und
Stimmungen ist gestattet und man gelangt über Freundschaftskult über
Schwärmerei bis hin zur sanften Tränenseligkeit.
Im wesentlichen bleibt die Morallehre
der Aufklärung bestehen und über die Vernunft sollen die Affekte
zu sittlicher Zufriedenheit führen. Durch eine soziale Vollkommenheit
soll der Bürger zu einem autonomen Wesen mit eigener Persönlichkeit
werden. Das Gefühl gilt als Maßstab für Handlungen und
Persönlichkeit. Mit Hilfe von Briefen, Gesprächen und Tagebüchern
will man die Feinheiten des Innenlebens erforschen (Selbstanalyse).
England nimmt eine führende Rolle
ein. Die um 1715 entstandenen "Moralischen Wochenschriften " werden in
Deutschland nachgeahmt. Seit 1740 entstehen Tugend und Familienromane,
seit 1760 empfindsame Romane, ferner existieren die naturnahen Idyllen.
In Frankreich, welches stärker rationalistisch
beherrscht ist, entsteht die comedie larmoyante und bürgerlichen
Dichtungen nach DIDEROTS. Die franz. Familienromane haben bei weitem nicht
die Wirkungen wie die, die ihren Ursprung in England haben.
ROUSSEAUS Nouvelle Heloise (1761)
wirkt mehr leidenschaftlich als empfindsam, das Werk geht also über
die Empfindsamkeit hinaus und vereint in sich ebenso die Epoche des Sturm
und Drangs.
In Deutschland hegt die Entwicklung über
den Pietismus zu der erhabenen Kunstlyrik KLOPSTOCKS.
Daneben wird aber im Göttinger Hain
noch die volkstümliche Liebeslyrik und der Freundschaftskult gepflegt.
All dieses erscheint als schlichte Idylle. KLOPSTOCK erreicht im Epos den
Höhepunkt an Naturnähe und religiöse Tiefe im MESSIAS.
Die Dramen der Empfindsamkeit werden von
bürgerlichen Tugendidealen beherrscht sowie von dem bürgerlichen
Trauerspiel. Oftmals bildet die Handlung in der Empfindsamkeit nur den
Rahmen um eine Fülle gefühlvoller Betrachtungen. Ausdrücken,
unbedeutende Gegenstände werden in der Empfindsamkeit als wesentliche
Anteile gehandelt. Den Höhepunkt der individuellen Erlebnisgestaltung
bildet GOETHE mit dem Werther, in dem die Gefühle sehr betont
werden und stark zum Ausdruck kommen. Die Gefühlsschwärmerei
in der Empfindsamkeit wird vom Gefühlsrausch des Sturm und Drang abgelöst.
Der wesentliche Beitrag der Empfindsamkeit
besteht in der Vertiefung und der Verfeinerung der Gemütsbeobachtungen
und damit verbunden der Einbeziehung innerseelischer Regungen in die künstlerische
Gestaltung.