Kritiken Rhein.Post 11.12.2000

Schönberg, Sibellus, Debussy in der Tonhalle

Drei Tode auf Zehenspitzen

.... Zweimal spielten die Düsseldorfer Syniphoniker auf hohem Niveau, einmal gar schienen sie sich völlig in die Sphäre des Melisande-Universums verloren zu haben. Sie spielten wie entrückt, suchten nach Verborgenem, ließen das Elysische in unsere Ohren träufeln. Das war am Ende, bei Debussy.
Debussys 0per hatte Fiore zu einer "symphonischen Reise" zusammengestellt, durch die kunstvolle Verbindung der Zwischenspiele.
Die Düsseldorfer wagten keine Experimente im Windkanal, sie suchten Stimmungen und fanden Erfüllung. Fiore wollte an den Kern. Aber wie? Innendruck erhöhen, umschalten auf ,,lyrisch", instrumentale Farb-Palette auftragen.
Jedes Piano wurde am Ende einer Phrase zurückgeführt an die Grenze zum Nichts, aus dem dann ein neuqr Atem sog. Atem für Mélisande für eine Fabel-Geschichte? Egal. Hier glückte alles. Keine Selbstdarstellung der Bläser, jeder hauchte ganz privat, nie aufdringlich und zeigte, wie man Bögen schwingen lässt. Wie man Phrasen erzeugt, die auf Zehenspitzen gehen Wie man die Musik nicht versüßllcht, sondern ihr bei aller Zartheit Konturen gibt. Vergessen, dass diese Musik auch für Sänger bestimmt ist.

CHRISTOPH VRATZ
 

Die unerfüllte Liebe
5.Symphoniekonzert unter John Fiore
                                                  WZ, Montag 11.12.200 (busch)
 
 

  .......  Dass Fiore auch mit diffizilen Tönen umzugehen vermag, bewies er beim Querschnitt durch Debussys Meisterwerk von 1902. Unter seiner sensiblen Leitung tauchten die Musiker ein in die Welt des zauberischen Impressionismus. Die Homogenität der Streicher genügte dabei den höchsten Ansprüchen.